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Piano News

Buchbesprechung in
Piano-News (Ausgabe November-Dezember 2006) von Volker Dunisch:
"Setze dich mit Freude ans Klavier..."
Während es ein großes Angebot an Lehrbüchern zum Bereich der Jazzimprovisation gibt, so sind Publikationen, die sich mit anderen musikalischen Stilrichtungen befassen, vergleichsweise selten. Auch wenn der Titel von Thilo Plaesser Buch etwas irreführend mit Blues - und Jazzmusik assoziiert werden kann: Um Derartiges geht es hierbei ausdrücklich nicht. Der Autor schlägt musikalisch viel mehr einen Weg ein, der nicht auf der in Jazz, Pop und Klassik weit verbreiteten Funktionsharmonik basiert. Sich von "eingefahrenen Hörgewohnheiten" zu lösen und "Grundlegende Improvisatorische Inhalte" zu vermitteln, ist vor allem Anliegen des Lehrbuchs. Nach einem lesenswerten und informativen Vorwort folgen einige kurze Klavierstücke, die mit Plaessers spezifischer Klangwelt vertraut machen sollen. Dann folgen die eigentlichen Lektionen: Der Autor beginnt mit verschiedenen Improvisationen über die Intervalle von der Prim bis zur None. So können deren Qualitäten und Möglichkeiten kennen gelernt werden. Jedes Intervall wird auf ein bis vier Seiten behandelt, wobei das Begleiten von Liedern wie zum Beispiel "Scarborough Fair" mit eben diesen Intervallen einen gewissen Schwerpunkt einnimmt. Das führt natürlich umgehend zu teilweise sehr ungewohnten Zusammenklängen, wie zum Beispiel bei einem ausschließlich mit Sekunden begleiteten "Down by the Salley Gardens". Der nächste Teil des Buches widmet sich der Improvisation mit Kirchentonleitern, aber auch chromatische und Ganztonleiter werden behandelt. Der melodische Aspekt der Skalen steht hier im Vordergrund und so findet man Anregungen zu ein- bis dreistimmigen Spiel. Dann folgen kurze Kapitel zu verschiedenen für die Klavierimprovisation relevanten Themen: Variationen von und mit Akkorden, Ostinati, Motiv und Thema, Rhythmische Aspekte, Improvisation im Stil von Satie und anderes. Im letzten Kapitel des 109 Seiten umfassenden Werks werden schließlich mehr als 25 verschiedene Improvisationsmodelle vorgestellt, die zum großen Teil auf den vorangegangenen Inhalten basieren. Sie dienen als Vorlage und Inspiration und tragen Bezeichnungen wie "Sekundostinato", "Ganzton-Prelude", "Dorischer Wind" oder "Wiegenlied". Hier liegt in der Kürze die Würze: In meist drei, vier Sätzen erklärt der Autor Aufbau und Gestaltungsprinzipien, dann folgt ein kurzes Notenbeispiel, das zum Fortspinnen einlädt. Abgerundet wird das Lehrbuch schließlich von einer Sammlung mit über 50 Volksliedern und Melodien. Man findet viele englische und osteuropäische Lieder sowie volkstümliche Melodien in verschiedenen Kirchentonarten. Sie können als Ausgangsmaterial für eigene Improvisationen verwendet werden, so dass man sich nicht selber auf die Suche nach geeignetem Liedmaterial machen muss. Plaessers Buch bietet eine Fülle von  Anregungen und Ideen für Improvisationsanfänger sowie für Fortgeschrittene, die die gewohnten Pfade von funktionsharmonisch geprägten Spiel verlassen möchten. Gerade dieser Verzicht auf Kadenzfolgen kann zu einem Musizieren führen, das stärker von der Wahrnehmung des Klangs und spontanen Spielimpulsen geleitet ist als vom kopflastigen Ausrechnen "falscher" und "richtiger" Töne. Letzteres ist ja bei vielen klassischen Stilkopien und bei funktionsharmonisch geprägter Jazzimprovisation nahezu unumgänglich. Ob die Stilistik, die Plaesser anbietet, gefällt, steht auf einem anderen Blatt und ist letztendlich Geschmackssache. Vieles klingt freitonal "modern", manches folkloristisch, manches impressionistisch, nie fühlt man sich auch nur ansatzweise an beispielsweise Wiener Klassik erinnert. Einen gewissen Gefallen an dissonanten Klängen sollte man mitbringen - aber vielleicht kommt man auch gerade hier auf den Geschmack. Das Lehrbuch ist gut strukturiert und enthält viele Notenbeispiele, die auch wichtig zur Veranschaulichung sind. Die textlichen Erläuterungen sind verständlich, immer aufs Wesentliche ausgerichtet und sowohl inhaltlich als auch von ihrer Quantität der Sache sehr angemessen. Man merkt, dass der Autor sich lange und intensiv mit dem Thema Improvisation auseinandergesetzt hat und über viel Erfahrung in der Vermittlung und der didaktischen Aufbereitung verfügt. Auch das Vorwort ist sehr ansprechend, da hier wesentliche Aspekte von Improvisation im Allgemeinen diskutiert werden. Zu Recht kritisiert Plaesser ihren vielerorts geringen Stellenwert im musikalischen Ausbildungsbereich und regt zu einem spielerischen und lustbetonten Zugang an: "Setze dich mit Freude ans Klavier und verlasse es ebenso." Wer auf das Lehrbuch neugierig geworden ist, kann sich auf der Homepage des Autors ausführlich informieren. Eine verkürzte Form des Vorworts sowie einige Beispielseiten sind hier zu finden. Ebenso kann man in die CD des Autors mit Improvisationen über keltisches Liedgut hineinhören.
Volker Dunisch

OKEY

Buchbesprechung in der Zeitschrift
OKEY Ausgabe Nr. 76 / 2007 von Christoph Klüh
Höhere Mathematik für Pianisten und Keyboarder
Gar nicht eins zu sein mit den anderen hier vorgestellten vergleichbar ist das neue Heft "it came out of the blue" - Anleitung zur Klavierimproivsation" von Thilo Plaesser. Der Vergleich hinkt schon deshalb, weil es sich hier nicht um ein Buch mit reinen Spielstücken handelt. Um eine "Schule" allerdings auch nicht, das klingt irgendwie so trocken. Nein, nennen wir es einfach wie Plaesser selbst, eine Anleitung. Das Thema Improvisation ist natürlich ein heißes Eisen und richtet sich eher an fortgeschrittene Spieler. Der moderne Musiker kommt, auch wenn er keine "Jazzer" ist, gar nicht drum herum, auch mal spontan etwas zu spielen - alles nur nach Noten zu können und drei Wochen vorher üben zu müssen, ist wirklich nicht mehr angesagt! Improvisation ist sicher nach wie vor eine hohe Kunst. Aber es ist mehr, als auf göttliche Eingebung zu warten und frustriert zu sein, wenn diese einfach nicht kommen wollen. Man kann das lernen! Das durchaus anspruchsvolle Werk von Thilo Plaesser scheint da eine gute Hilfestellung geben zu können. Man braucht allerdings die Muße, sich in die Sache zu vertiefen. Das Vorwort, in dem erläutert wird, worum es überhaup geht, trägt leicht philosophische Züge. Und dann geht es handfest zur Sache, zum Beispiel mit modalen Skalen - auf gut deutsch gesagt "Kirchentonleitern" wie dorisch, phrygisch usw., die in der heutigen Popmusik durchaus eine Rolle spielen - verschiedenen Formmodellen usw. Sehr erfrischend zu lesen sind die voran gestellten "10 Gebote". Deren erstes lautet: "Übe nicht, sondern spiele Klavier- musiziere". Bei der Strukturierung dieses Buches hat sich einer viele Gedanken gemacht. Plaesser selbst ist studierter Kirchenmusiker, und wer wie er nocht dazu Meisterkurse in Improvisation bei so renommierten Künstlern wie Prof. Daniel Roth in Paris absolviert hat, weiß, wovon er schreibt! Einzig schade: der Leser wird geduzt, das wirkt ein bisschen plump vertraulich. Thilo Plaesser: "it came out of the blue - Anleitung zur Klavierimprovisation", PFAU - Verlag, 2006
Titelauswahl: in dem Sinn nicht vorhanden; 109 Seiten
Arrangements:  klar strukturierte Lektionen
Schwierigkeitsgrad: anspruchsvoll, je nach musiktheoretischen Vorkenntnissen; Einstieg in die Materie allerdings auch auf niedrigerem Level möglich!
Aufmachung: sehr aufwendig dargestellt und gut gemacht

Angelika Paulic

Rezension Angelica Paulic, Akkordeonistin

Ein Tor zur Improvisation
Schon im wissensvermittelnden Vorwort wird die Neugierde auf eine ganz neue Art zu improvisieren geweckt. Die Ausgangsbasis bilden erläuternde Texte, Notationen und Aufgabenstellungen, die die Forschenden von Irrwegen fern halten und zugleich auf originelle Entdeckungsreise gebracht werden. Die Aufgaben sind so gewählt, dass man im weitläufigen Feld der Improvisation eine Struktur erhält, die die Interessierten in eine noch nicht gekannten Entfaltungsrichtung lenken. Mit Hilfe von Scalen, Ostinatos, dem Augenmerk auf Rhythmus und assoziativen Inhalten ist es möglich andere Blickwinkel zu erhalten und so die eigenen Improvisationen individuell und aussagestark zu gestalten.


Piano News

Book review in Piano-News (November-December 2006 issue) by Volker Dunisch: "Sit at the piano with joy..."
While there is a wide range of textbooks on jazz improvisation, publications dealing with other musical styles are comparatively rare. Even if the title of Thilo Plaesser's book can be somewhat misleadingly associated with blues and jazz music: This is explicitly not the point here. Musically, the author takes a path that is not based on the functional harmonies that are widespread in jazz, pop and classical music. The main aim of the textbook is to break away from "well-worn listening habits" and to convey "basic improvisational content". After a readable and informative foreword, a few short piano pieces follow, which are intended to familiarise the reader with Plaesser's specific world of sound. Then follow the actual lessons: The author begins with various improvisations on the intervals from the prim to the ninth. In this way their qualities and possibilities can be learned. Each interval is treated on one to four pages, with a certain emphasis on accompanying songs like "Scarborough Fair" with just these intervals. Of course, this immediately leads to sometimes very unusual combinations, such as "Down by the Salley Gardens", which is accompanied by seconds only. The next part of the book is devoted to improvisation with church scales, but chromatic and whole tone scales are also dealt with. The melodic aspect of the scales is in the foreground here and so one finds suggestions for one- to three-part playing. This is followed by short chapters on various themes relevant to piano improvisation: Variations of and with chords, ostinati, motive and theme, rhythmic aspects, improvisation in the style of Satie and others. Finally, the last chapter of the 109-page work presents more than 25 different improvisation models, most of which are based on the previous content. They serve as models and inspiration and carry designations such as "Sekundostinato", "Ganzton-Prelude", "Dorischer Wind" or "Wiegenlied". Here lies the spice in brevity: In usually three or four movements, the author explains the structure and design principles, followed by a short example of a note that invites the reader to continue. Finally, the textbook is rounded off by a collection of over 50 folk songs and melodies. There are many English and Eastern European songs and folk melodies in various church keys. They can be used as source material for your own improvisations, so that you do not have to search for suitable song material yourself. Plaesser's book offers a wealth of suggestions and ideas for improvisation beginners as well as for advanced players who want to leave the usual paths of functionally harmonious playing. It is precisely this abandonment of cadenza sequences that can lead to music-making that is more strongly continued by the perception of sound and spontaneous playing impulses than by the top-heavy calculation of "wrong" and "right" tones. The latter is almost unavoidable in many classical style copies and in functionally harmonious jazz improvisation. Whether or not you like the stylistics offered by Plaesser is a different matter and is ultimately a matter of taste. Many things sound "modern" in their own right, some sound folkloristic, some impressionistic, and you will never feel reminded of Viennese Classicism, for example. You should have a certain liking for dissonant sounds - but maybe this is where you will get a taste for them. The textbook is well structured and contains many examples of music, which are also important for illustration. The textual explanations are understandable, always focused on the essentials and very appropriate in terms of both content and quantity. It is noticeable that the author has dealt long and intensively with the subject of improvisation and has a lot of experience in teaching and didactic preparation. The foreword is also very appealing, as it discusses essential aspects of improvisation in general. Plaesser is right to criticise the fact that in many places it is of little importance in the field of musical education and encourages a playful and pleasure-oriented approach: "Sit down at the piano with pleasure and leave it as well". Anyone who has become curious about the textbook can find detailed information on the author's homepage. A shortened form of the preface and some sample pages can be found here. You can also listen to the author's CD with improvisations on Celtic songs.

Volker Dunisch

OKEY

Book review in the magazine OKEY issue no. 76 / 2007 by Christoph Klüh
Higher Mathematics for Pianists and Keyboarders

Not to be one with the others presented here is the new booklet "it came out of the blue" - Anleitung zur Klavierimproivsation" by Thilo Plaesser. The comparison is misleading, if only because it is not a book with pure play pieces. But neither is it a "school", that sounds so dry somehow. No, let's just call it like Plaesser himself, a manual. The subject of improvisation is of course a hot potato and is aimed more at advanced players. The modern musician, even if he is not a "jazzman", cannot avoid playing something spontaneously - being able to do everything according to notes and having to practice three weeks in advance is really no longer in fashion! Improvisation is certainly still a high art. But it is more than waiting for divine inspiration and being frustrated when it just won't come. You can learn this! The quite demanding work of Thilo Plaesser seems to be a good help in this respect. However, one needs the leisure to delve into the matter. The foreword, which explains what it is all about, is slightly philosophical. And then it gets down to business, for example with modal scales - in good German "church scales" such as Doric, Phrygian etc., which certainly play a role in today's pop music - different models of form etc. The preceding "10 Commandments" are very refreshing to read. The first one reads: "Do not practise, but play piano music". Someone has given a lot of thought to the structure of this book. Plaesser himself is a trained church musician, and anyone who, like him, has also attended master classes in improvisation with such renowned artists as Prof. Daniel Roth in Paris knows what he is writing about! The only pity is that the reader is treated on a first-name basis, which seems a bit clumsily confidential. Thilo Plaesser: "it came out of the blue - instructions for piano improvisation", PFAU - publishing, 2006

Title selection: not available in that sense; 109 pages
Arrangements: clearly structured lessons
Level of difficulty: demanding, depending on previous knowledge of music theory; however, it is also possible to start at a lower level!
Presentation: very elaborately presented and well done
Angelika Paulic

Review Angelica Paulic, accordionist

A gateway to improvisation
Already in the foreword, which conveys knowledge, curiosity is aroused in a completely new way of improvising. The starting point is formed by explanatory texts, notations and tasks, which keep the researchers away from aberrations and at the same time take them on an original journey of discovery. The tasks are chosen in such a way that one obtains a structure in the broad field of improvisation that guides the interested person in a direction of development not yet known. With the help of scales, ostinatos, attention to rhythm and associative content, it is possible to obtain different perspectives and thus to create one's own improvisations individually and expressively.

© 2013 - 2020
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